Die Geschichte der Stadt Břeclav (Lundenburg) ist seit Jahrhunderten untrennbar mit dem Fürstenhaus Liechtenstein verbunden, einem der bedeutendsten und einflussreichsten Adelsgeschlechter Mitteleuropas. Die ersten schriftlichen Erwähnungen dieses Geschlechts stammen bereits aus dem 12. Jahrhundert, als Hugo von Liechtenstein in Mödling bei Wien residierte und ausgedehnte Ländereien nördlich und südlich der Donau besaß. Im Laufe der Zeit verzweigte sich die Familie in einzelne Linien und baute ihre Besitztümer in Mähren, Niederösterreich und anderen Gebieten der Habsburgermonarchie systematisch aus.
Ein entscheidender Wendepunkt kam im 13. Jahrhundert, als die Liechtensteiner Mikulov (Nikolsburg) eroberten und damit den Grundstein für die Nikolsburger Linie legten, die zum Träger ihrer Macht in Südmähren wurde. Břeclav, damals unter dem deutschen Namen Lundenburg bekannt, gelangte 1384 in ihren Besitz, als der mährische Markgraf Jobst es den Gebrüdern Hans, Hartneid und Georg von Liechtenstein verkaufte. Von da an – mit der Ausnahme von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 1638 – war Břeclav fester Bestandteil der liechtensteinischen Herrschaft und teilte mit dem Adelsgeschlecht dessen politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung.
Eine herausragende Persönlichkeit dieser Geschichte war Fürst Joseph Wenzel Lorenz von Liechtenstein, Feldmarschall, kaiserlicher Diplomat, Militärreformer und zugleich Staatsoberhaupt des souveränen Fürstentums Liechtenstein. Er wurde am 9. August 1696 in Prag als Sohn von Philipp Erasmus von Liechtenstein geboren. Sein Vater fiel 1704 während der Kriegszüge in Norditalien, was den weiteren Lebensweg des jungen Joseph Wenzel, der im Schatten der militärischen Tradition seiner Familie aufwuchs, maßgeblich beeinflusste.
Er studierte an der Lateinschule der Carolinum in Prag und wurde schon in jungen Jahren auf den Dienst in der Habsburgermonarchie vorbereitet. Obwohl er aus einer Nebenlinie der Familie stammte, verbrachte er einen Großteil seiner Zeit auf dem Schloss in Břeclav, das ihm sehr ans Herz wuchs und zu einem persönlichen Rückzugsort wurde. Hier fand er Ruhe fernab vom Trubel der Höfe in Wien und Prag.
Seine Karriere begann er in der kaiserlichen Armee, wo er sich nach und nach bis zum höchsten militärischen Rang hocharbeitete. Als Befehlshaber wurde er vor allem durch seinen Sieg bei Piacenza im Jahr 1746 bekannt, wo er die vereinten französisch-spanischen Truppen besiegte. Neben seiner militärischen Führungsrolle war er auch als Diplomat in Berlin und Paris tätig. Gleichzeitig leistete er einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Artillerie, indem er aus eigenen Mitteln eine Artillerieschule gründete und das Waffensystem der Monarchie neu organisierte.
Seine außergewöhnliche Stellung am kaiserlichen Hof belegt auch eine feierliche Aufgabe aus dem Jahr 1760: er wurde beauftragt, die Braut des zukünftigen Kaisers Joseph II., die Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma, auf ihrer Reise nach Wien zu begleiten. Dieses außerordentlich kostspielige und repräsentative Ereignis wurde zu einem der Höhepunkte der höfischen Zeremonien jener Zeit. Zu diesem Anlass wurde in Paris die berühmte goldene Kutsche angefertigt, ein Symbol für das fürstliche Ansehen, den Reichtum und den politischen Stellenwert des Hauses Liechtenstein, die heute im Gartenpalais Liechtenstein in Wien ausgestellt ist.
Nach dem Tod von Fürst Joseph Johann Adam im Jahr 1732 wurde Joseph Wenzel Vormund des minderjährigen Erben Johann Nepomuk Karl und faktischer Verwalter des umfangreichen Familienvermögens. Nach dessen Tod im Jahr 1748 übernahm er die volle Verantwortung für die Familie und das Fürstentum Liechtenstein. Um Konflikte innerhalb der Familie zu vermeiden, gründete er für seinen Bruder Emanuel eine Sekundogenitur, während er Břeclav als seinen persönlichen Sitz behielt.
Joseph Wenzel Lorenz war auch ein großzügiger Förderer der Künste und Wohltätigkeit. Er unterstützte Kriegswitwen, gründete soziale Einrichtungen und sammelte Kunstwerke. An seinem Hof wirkte auch Angelo Soliman, eine bedeutende Persönlichkeit des kulturellen Lebens des 18. Jahrhunderts. Joseph Wenzel Lorenz starb am 10. Februar 1772 in Wien und wurde in der Familiengruft in Vranov (Wranau) bei Brünn beigesetzt. Kaiserin Maria Theresia sagte über ihn, er sei „einer der Menschen, wie es sie nicht mehr gibt“ – eine Aussage, die seine Bedeutung für die Geschichte der Familie und der Stadt Břeclav treffend zusammenfasst.

Bild:
Josef Wenzel I., Fürst von Liechtenstein
Autor: Hyacinthe Rigaud – Museum, gemeinfrei, Quelle: Wikipedia

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