Das Kulturdenkmal Lednice-Valtice mit seinen Schlossgärten, Saletten und Bosketten lädt zu Spaziergängen und galanten Gesprächen à la française ein. Die Galanterie wird mit der französischen Aristokratie verbunden, die sie im 17. Jahrhundert zu ihrem Lebensstil machte, als das Modell des galanten Adligen das ältere Ideal des ehrenhaften Adligen verdrängte. Auf dem Weg von Lednice (Eisgrub) nach Valtice (Feldsberg) steht der Apollontempel, der dem Gott der Sonne, der Musik, der Poesie und der Kunst gewidmet ist. Der Anblick des strahlenden Gottes auf einem von vier Pferden gezogenen Wagen erinnert uns an einen der galantesten und musikalischsten französischen Könige, Ludwig XIV., genannt der Sonnenkönig und aufgrund seines grandiosen Auftritts im Jahr 1653 im Ballett de la Nuit als Apollo dargestellt. Der damals erst fünfzehnjährige Ludwig tanzte in einem mit Edelsteinen und Gold besetzten Sonnenkostüm, begleitet von Aurora und umgeben von Höflingen, Genien, die ihm huldigten.
Mit der Herrschaft Ludwigs XIV. begann das „goldene Zeitalter“ Frankreichs. Am französischen Hofe war Musik alltäglich und allgegenwärtig. Zu ihren Klängen verliefen sowohl gewöhnliche Tage als auch außergewöhnliche Ereignisse. Sie wurde beim „Lever“ und „Coucher“ des Königs gespielt, begleitete Gottesdienste und verschönerte königliche Vergnügungen, erhöhte den Glanz von Zeremonien oder umrahmte die privaten Momente des Herrschers und der Höflinge, vom Beisammensein in den Salons bis hin zu ausgedehnten Spaziergängen, auf klangvolle Weise. Der Sonnenkönig wollte seine politische und wirtschaftliche Vorherrschaft auch auf den Bereich der Kunst ausweiten, um seine eigene Macht zu festigen. Den Tanz, den er so sehr liebte, erhob er zur aristokratischen Kunst par excellence. Die Gründung der Académie Royale de Danse (1661) und der Académie Royale de Musique (1669) bezeugt sein tiefgreifendes Interesse an den Künsten. Jeden Abend außer samstags fanden in den königlichen Gemächern Konzerte statt, bei denen königliche Musiker auftraten. Er gab den Anstoß zur Entwicklung vieler Musikgenres (Motette, Tragédie lyrique, Kantate, Symphonie). In seinen Diensten standen über 150 offizielle Musiker, 1715 sogar bis zu 200, die den Titel Musiciens du Roi oder Officiers de la Maison du Roi trugen. Die Instrumentalisten hießen Violon de la chambre du Roi oder Hautbois du Roi.
Die Musik am Hofe Ludwigs XIV. war in drei große Institutionen unterteilt, Musique de la Chapelle Royale, Musique de la Chambre und Musique de la Grand Écurie, und wurde vor allem im Schloss von Versailles aufgeführt, dessen Architektur die Merkmale des französischen Klassizismus mit den mächtigen Effekten der barocken Szenografie verbindet. In Versailles gab es noch zwei weitere Orchester: die 24 Violons du Roi (oder Grand Band) und die Petits Violons du Roi (auch Petit Band genannt). Ludwig XIV. bot Komponisten und Musikern viele Möglichkeiten, schränkte jedoch gleichzeitig ihre Bemühungen durch seine persönlichen Ansprüche immer wieder ein. Die königlichen Musiker trafen sich mittwochs, freitags und sonntags zu großen Musikaufführungen und dienstags und donnerstags zu Kammerkonzerten. Sie begleiteten den König auf seinen häufigen Reisen, insbesondere nach Fontainebleau. Der König verlangte nach Novitäten, schneller und fröhlicher Musik, obwohl in den letzten Jahren seines Lebens, als ihn Melancholie überkam, eine ganz andere Art von Musik seine Seele erfreute, vor allem süß-schmerzhafte Airs.
Fast 200 Jahre lang dienten die Airs de cour als Hauptquelle für das französische Vokalschaffen. Sie waren ein unverzichtbarer Bestandteil königlicher Festlichkeiten und höfischer Ballette und erfreuten sich großer Beliebtheit in literarischen, aristokratischen und bürgerlichen Kreisen. Diese Art von Komposition wurde vor allem in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum Hauptschwerpunkt französischer Komponisten und Musiker. Damals erlebte das französische Lied, oder Air, Ausdruck der französischen Musikalität, seinen Höhepunkt in den Werken von Michel Lambert, Étienne Boesset, Bertrand de Bacilly und anderen. Air wurde zunächst in den damals so hochgeschätzten Pariser Salons aufgeführt, wo die Kunst der Konversation und der Galanterie gepflegt wurde. Später verbreiteten sich diese Lieder dank der Musikdrucke der Familie Ballard unter dem musikbegeisterten Publikum. Zu den höfischen Airs gesellten sich einfachere, „süßere“ Lieder mit häufigeren Bezügen zur Frühlingsnatur, zum Vogelgesang und zur sanften Brise. In den Airs sérieux wurde von klaren Brunnen, furchterregenden Felsen, treuen Liebhabern, Hirten und Feiernden gesungen, in den Airs à boire wurden Bacchus, oberflächliche Liebe und vergängliche Freuden besungen.
Von der riesigen Menge an kurzen Airs sérieux, Airs à boire, Airs tendre oder Brunettes, die jeden Monat beim bekannten Verleger Ballard erschienen und eine ähnliche Funktion hatten wie heute populäre Lieder, ist heute nur noch eine Handvoll bekannt. Die Popularität dieser kurzen Liedchen veranlasste Komponisten wie Hotteterre, Montéclair oder Boismortier, sie für Soloflöte zu arrangieren. Die meisten von Hotteterres verzierten Fassungen wurden mit einem Text veröffentlicht, der erstens als Leitfaden für die richtige Interpretation, zweitens als Erinnerung an den Ursprung des Liedes und drittens für Sänger zur gemeinsamen Aufführung diente.
Die Texte der airs sérieux befassen sich fast ausschließlich mit der unerwiderten Liebe von Hirten zu hübschen Hirtinnen, die ihren Gefühlen gegenüber gleichgültig sind oder vielleicht Desinteresse vortäuschen. Gelegentlich entwickelte sich ein spezifisches Genre, Brunette, benannt nach dem Text des Liedes Le beau Berger Tircis: „Ah! petite Brunette, Ah! tu me fais mourir.“ Wie bei anderen pastoralen Genres Frankreichs jener Zeit ist die Einfachheit dieser Lieder nur scheinbar und darüber hinaus sehr trügerisch. Die Mode der Genrebilder, Hirtenstücke und Opern, Lieder, Kostüme und Instrumente (wie beispielsweise Musette), die gerade aus der pastoralen Idylle hervorgegangen sind, ist nichts anderes als eine idealisierte Darstellung des ländlichen Lebens, die beim Pariser Publikum und den Höflingen in Versailles eine tiefe Saite zum Schwingen brachte. Unter der Maske des trauernden Hirten konnten die Sänger ihren enttäuschten Sehnsüchten freien Lauf lassen. Außerhalb der Kreise des Hofes waren die airs serieux ein beliebter Zeitvertreib der Mittelschicht, da sie es dem gebildeten Pariser ermöglichten, dieselbe Musik zu genießen, die auch den Adel am Hof bewegte.
Das Musikleben in Versailles erhob Konzerte zu einer offiziellen Unterhaltungsform mit bedeutender gesellschaftlicher Rolle. Ohne sie hätte es wahrscheinlich keinen solchen Aufschwung des Konzertlebens außerhalb des Hofes gegeben. Mit der Gründung des Concert Spirituel durch Anne Danican Philidor einige Jahrzehnte später, im Jahr 1725, bekam Paris die ersten regelmäßigen öffentlichen Konzerte im modernen Sinne. Auch die Gatin Ludwigs XV., Königin Maria Leszczyńska, übernahm die imaginäre Nachfolge des Sonnenkönigs und veranstaltete Kammerkonzerte und großartige Konzerte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgten ihr die Hauptmätresse des Königs, Madame de Pompadour, die Kronprinzessin Marie-Josèphe de Saxe und Königin Marie-Antoinette. Sie alle knüpften an das von Ludwig XIV. geschaffene Konzept des „Divertissement“ an.
Während für Ludwig XIV. Kunst und Macht untrennbar miteinander verbunden waren, zeigte Marie Antoinette einige Generationen später, dass Musik nichts mit Politik zu tun haben muss. Aus dem Nachlass der unglücklichen Königin Marie Antoinette, die in ihren Salons die besten Musiker ihrer Zeit empfing, selbst gerne sang und hervorragend Harfe und Cembalo spielte, erwarb Fürst Alois I. von Liechtenstein zu Beginn des 19. Jahrhunderts seltene Seidentapeten für das Sommerpalais Belveder, das auf dem Fuchsberg (Liščí vrch) bei Valtice steht und auf eine idyllische Landschaft blickt, wie sie aus den galanten Gemälden von Watteau bekannt ist.

Bild:
Benoît Audran after Watteau, Le Concert Champêtre, engraving, c. 1727

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