Unter den Fürsten des Hauses Liechtenstein gehört Fürst Joseph Wenzel I. (1696–1772) zu den Herrschern, die durch ihr Wirken als Feldherr, Diplomat, Reformer und nicht zuletzt als Auftraggeber und Sammler von Kunstwerken, die wohl deutlichsten Spuren ihrer Herrschaft hinterlassen haben. Dennoch war es ihm nicht bestimmt, als Majoratsherr die Geschicke des Hauses Liechtenstein zu lenken. Zweimal musste er nach dem vorzeitigen Tod der regierenden Fürsten als Vormund die Angelegenheiten des Hauses bis zu deren Volljährigkeit verwalten. Erst im dritten Anlauf konnte er 1748 das Majorat dauerhaft übernehmen und bis zu seinem Tod ausüben. Damit erlangte er auch die finanziellen Mittel, die es ihm ermöglichten, umfangreiche Bauprojekte zu realisieren, außergewöhnlich bedeutende Kunstwerke zu erwerben und kostspielige Projekte für den kaiserlichen Hof zu finanzieren.
Sein Bestreben, seine eigene Umgebung zu gestalten, führte zur Entstehung bedeutender architektonischer Denkmäler. Maria Theresia von Österreich, Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, schätzte das durch seine Umbauten modernisierte Schloss in Valtice außerordentlich. Sein ausgeprägter Geschmack kam auch in den Schlössern in Wilfersdorf und Ebergassing deutlich zum Ausdruck.
Das bedeutendste Kunstwerk, das auf seinen Auftrag hin entstand, ist jedoch die Goldene Kutsche – eines der wenigen erhaltenen Beispiele für repräsentative Kutschenkunst des 18. Jahrhunderts. Der Anlass für ihre Entstehung war die Ernennung des Fürsten Josef Wenzel I. zum kaiserlichen Gesandten am französischen Hof. Der Wagen wurde für die feierliche Einfahrt nach Paris (Louvre) und Versailles geschaffen. Die Bezeichnung „Goldener Wagen“ etablierte sich jedoch erst im 19. Jahrhundert, als die von der französischen Mode inspirierten Karosserien schrittweise durch überwiegend dunkle Kutschen nach neuen englischen Vorbildern ersetzt wurden.
Am 7. November 1737 erhielt Joseph Wenzel die kaiserliche Anweisung, als Gesandter des Hauses Habsburg nach Paris zu reisen. Der Zweck seiner Mission war die Bestätigung der in Europa ausgehandelten und angenommenen Verträge über die Pragmatische Sanktion, die den Fortbestand der Habsburger Dynastie auch in weiblicher Linie sicherstellte. Erst nach dem Ende des Polnischen Erbfolgekrieges, der am 18. November 1738 mit dem Wiener Frieden beendet wurde, konnte er sein Amt in Paris endgültig antreten. In der Zeit zwischen seiner Ernennung und seinem offiziellen Amtsantritt wurde ein feierlicher Einzug in Paris vorbereitet.
Der Architekt Nicolas Pineau (1684–1754), der zuvor am Hofe des Zaren Peter I. in St. Petersburg tätig war, wurde mit dem Entwurf von fünf Botschafterkutschen (carrosses d’ambassadeur) beauftragt – vier silbernen und einer vergoldeten. Von diesem glanzvollen Ensemble ist jedoch lediglich die Goldene Kutsche überliefert.
Der Wagen gehört zum Typ Berlina und stellt mit seiner feinen Formensprache den Übergang vom Hochbarock zum Rokokostil dar. Die unter der Leitung von François Boucher (1703–1770) entstandene malerische Ausstattung zeigt spielende Putten, die die vier Elemente und die vier Jahreszeiten symbolisieren. Die dekorativen Elemente wurden teils aus Holz geschnitzt, teils aus feuervergoldeter Bronze gegossen, was zum außergewöhnlichen Gewicht des Fahrzeugs beitrug.
Bei der Fürstlichen Parade war die Goldene Kutsche die vierte von fünf Gespannen, die jeweils von acht Pferden aus dem Fürstlichen Gestüt in Lednice (Eisgrub) gezogen wurden. Sie war der Höhepunkt der entrée publique am 21. Dezember 1738 in Paris und zwei Tage später in Versailles. Die Eleganz der harmonisch aufeinander abgestimmten Kutschen, Geschirre und Pferde als Ausdruck höchster Repräsentation begeisterte auch das anspruchsvolle Pariser Publikum; über das Ereignis berichteten sowohl der Mercure de France als auch das Wienerische Diarium.
Zusammen mit dem Fürsten kehrte die Goldene Kutsche nach Wien zurück. Als sich Erzherzog Joseph (der spätere Kaiser Joseph II., 1741–1790) 1760 mit Prinzessin Isabella von Parma (1741–1763) verlobte, fiel Joseph Wenzel die ehrenvolle, aber äußerst kostspielige Aufgabe zu, die Braut von Parma nach Wien zu begleiten. An beiden Orten war die Kutsche erneut der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Vor der Reise musste das Fahrzeug aufwendig renoviert werden – in Wien wurden die Stoffe und das geschliffene Kristallglas ausgetauscht.
Für die Reise nach Parma wurde die Kutsche zerlegt transportiert; dank eines erhaltenen Tagebuchs kennen wir die Umstände ihres Transports bis ins kleinste Detail. Eine ausgeklügelte Logistik sorgte für einen sicheren Transport nach Parma und zurück. Man zögerte nicht einmal, die Stadttore zu untergraben oder Erker zu entfernen, um die Durchfahrt zu ermöglichen. Die Fahrt mit der Kutsche selbst fand nur auf kurzen Strecken bei der Ausfahrt aus Parma und bei der Ankunft in Wien statt. Diese Momente sind auf monumentalen Gemälden festgehalten, die die Pracht dieser politisch arrangierten Hochzeit detailliert dokumentieren.
Die goldene Kutsche erlebte 1764 noch einen weiteren historisch bedeutsamen Einsatz, als Fürst Joseph Wenzel als erster kaiserlicher Kommissar bei der Wahl und Krönung des Thronfolgers Erzherzog Joseph zum römischen König in Frankfurt am Main fungierte.

Goldene Kutsche:
François Boucher (1703–1770), Nicolas Pineau (1684–1754)
The Golden Carriage of Prince Joseph Wenzel I of Liechtenstein, 1738
LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

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