Einladung zur 12. Ausgabe des Lednice-Valtice Musikfestivals 2027

Musik für die Königskrone

Die Dramaturgie der kommenden Ausgabe des Lednice-Valtice Musikfestivals widmet sich einem der bedeutendsten Ereignisse der böhmischen Geschichte: dem 500. Jahrestag der Krönung Ferdinands I. zum König von Böhmen. Das Jahr 1527 war nicht nur ein feierlicher Akt im Prager Veitsdom, sondern markierte zugleich den Zeitpunkt, an dem die böhmischen Länder enger mit Wien, Niederösterreich und dem Raum der Habsburgermonarchie verbunden wurden.

Dieses Jubiläum möchten wir nicht als isolierten politischen Einschnitt verstehen, sondern als Teil eines weitreichenden dynastischen Gedächtnisses. Die Dynastien der Přemysliden, Luxemburger, Jagiellonen und Habsburger bilden keine voneinander getrennten Kapitel der Geschichte. Sie waren durch ein dichtes Netz familiärer Beziehungen miteinander verbunden, oftmals über die weibliche Linie. Eine Schlüsselrolle in dieser Kontinuität spielte Anna von Böhmen und Ungarn, Gemahlin Ferdinands I. von Habsburg. In ihrer Abstammung verband sich das Erbe der Jagiellonen mit dem Blut der Luxemburger sowie der älteren Přemyslidendynastie der böhmischen Könige. Durch Anna ging dieses dynastische Erbe auf das Haus Habsburg über.

Das Jahr 1527 steht für uns daher nicht nur für den Beginn der habsburgischen Epoche, sondern ebenso für die feierliche Bestätigung der tieferen Kontinuität des Königreichs Böhmen. In den historischen Räumen des Lednice-Valtice-Areals möchten wir deshalb die Musik des habsburgischen Hofes wieder erklingen lassen – jene Musik, die einst in der Hofburg, im Schloss Schönbrunn und in anderen Residenzen der Monarchie zu hören war. Diese Verbindung möchten wir zudem mit einem symbolischen Konzert in Wien unterstreichen.

Das Programm präsentiert Werke habsburgischer Hofkapellmeister ebenso wie Komponisten, deren Namen heute zu Unrecht im Schatten berühmterer Meister stehen. Neben einer neuen Sicht auf Antonio Salieri erklingt Musik von Bertali, Fux, Caldara, Bonno und Eybler. Einige dieser Werke haben sich in den Sammlungen von Valtice, Kroměříž und Rajhrad erhalten und sollen erstmals in der Neuzeit wieder aufgeführt werden.

Das Festival wird Kammermusik, geistliche und szenische Projekte ebenso umfassen wie große Orchesterkonzerte. Es wirken unter anderem die Brünner Philharmonie, die Janáček Philharmonie Ostrava sowie herausragende Künstlerinnen und Künstler aus Tschechien und Österreich mit. Eine besondere Symbolkraft wird dem Abschluss des Festivals zukommen: So wie das Te Deum einst die Krönungsfeierlichkeiten begleitete, wird es auch unser Festival beschließen – diesmal in der monumentalen Vertonung Anton Bruckners.

Ich bin überzeugt, dass die kommende Festivalausgabe den Besucherinnen und Besuchern nicht nur die Schönheit der Musik des habsburgischen Hofes näherbringen wird, sondern auch die umfassendere Geschichte eines kulturellen Gedächtnisses, in dem Geschichte, Kunst und lebendige Gegenwart aufs Neue miteinander in Dialog treten.

MgA. Jiří Partyka

Koruna česká – olejomalba: Veronika Remak Molatová; foto: Bela Remak

 

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