{"id":26793,"date":"2024-05-20T16:40:11","date_gmt":"2024-05-20T14:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lvhf.cz\/?p=26793"},"modified":"2024-07-17T13:26:32","modified_gmt":"2024-07-17T11:26:32","slug":"dvorni-kapelnik-saskeho-kurfirta-johann-gottlieb-naumann-1741-1801","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/dvorni-kapelnik-saskeho-kurfirta-johann-gottlieb-naumann-1741-1801\/","title":{"rendered":"Der kurf\u00fcrstlich-s\u00e4chsische Hofkapellmeister Johann Gottlieb Naumann (1741-1801)"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der kurf\u00fcrstlich-s\u00e4chsische Hofkapellmeister <strong>Johann Gottlieb Naumann<\/strong> (1741-1801) war nicht allein im Dresdner Kulturleben zum Ende des 18. Jahrhunderts eine wichtige Figur, er war schon zu Lebzeiten international angesehen, zuhause in Deutschland und auch im Ausland. Seine Geschichte klingt wie ein M\u00e4rchen: Der Sohn eines Kleinbauern ohne eigenes Land, geboren im heutigen Dresdner Vorort Blasewitz, verlie\u00df 1757 seine Heimatstadt, um sich in Italien k\u00fcnstlerisch ausbilden zu lassen. Nach den ersten kompositorischen Erfolgen kehrte er 1764 in seine s\u00e4chsische Heimat zur\u00fcck, wo er eine Stelle als Geistlicher Komponist des Kurf\u00fcrsten von Sachsen am Dresdner Hof antrat. Nach seiner Ernennung zum Hofkapellmeister im Jahr 1776 und seiner Beteiligung an den Absichten des schwedischen K\u00f6nigs <strong>Gustav III.<\/strong> und K\u00f6nig <strong>Christian VII.<\/strong> von D\u00e4nemark, die Oper zu reformieren, wuchs seine Ber\u00fchmtheit bedeutend.<br>\nNeben Opernwerken und geistlicher Musik komponierte Naumann auch Lieder (mehr als 300), und darunter auch Vertonungen freimaurerischer Texte (\u00fcber 70 Lieder). Von Naumanns gro\u00dfer Popularit\u00e4t zeugen auch die zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen in Liedersammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Johann Gottlieb Naumann<\/strong> wurde 1774 Johanniter, als er in die Dresdner franz\u00f6sischsprachige <strong>Loge Aux vrais amis<\/strong>, die Teil der vereinigten <strong>Loge der Drei Schwerter<\/strong> und der Wahren Freunde war, aufgenommen wurde.&nbsp; Bereits am 17. Dezember 1774 wurde er vom Lehrling zum Gesellen und 1776 zum Meister bef\u00f6rdert. 1779 wurde er zum Schottischen Meister ernannt und bekleidete zwischen 1780 und 1782 das Amt des Zeremonienmeisters. Die Einstellung aller Aktivit\u00e4ten der Dresdner Loge im Jahr 1790 f\u00fchrte zu einem Stillstand seines freimaurerischen Engagements, von dem es sich nie mehr erholte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die <strong>Oper Osiris<\/strong>, deren Libretto vom Dresdner Hofdichter <strong>Caterino Mazzol\u00e0<\/strong> verfasst wurde, geh\u00f6rt zu den B\u00fchnenwerken, die f\u00fcr den Dresdner Hof geschrieben wurden. Aufgef\u00fchrt wurde die Oper anl\u00e4sslich der Hochzeit des s\u00e4chsischen Prinzen <strong>Anton Clemens Theodor von Sachsen<\/strong> mit <strong>Marie Caroline Antoinette<\/strong> <strong>von Sardinien<\/strong> am 27. Oktober 1781 im Kleinen Kurf\u00fcrstlichen Theater in Dresden. Der bedeutende Naumann-Biograph <strong>Richard Engl\u00e4nder<\/strong> vertritt seit langem die Ansicht, die Oper sei &#8222;<em>&#8230;ein gro\u00dfartiges Bekenntnis zur Freimaurerei<\/em>&#8222;. Doch die Forschung ist in den letzten Jahren zu anderen Ergebnissen gekommen. Nach Ansicht des Philosophen, \u00c4gyptologen und Opernhistorikers <strong>Florian Ebeling<\/strong>, ist das Libretto der Oper Osiris ein mythologisch \u00fcberh\u00f6htes Abbild eines realen Hochzeitspaares und unterscheidet sich damit deutlich von Mozarts Zauberfl\u00f6te, der Freimaureroper schlechthin. Szenische Bilder des mythischen \u00c4gyptens, die Figurenkonstellation, die Charakterisierung des Paares, das im Mittelpunkt der Handlung steht, und die verschiedenen Handlungselemente weisen zahlreiche \u00c4hnlichkeiten auf, die oft aber nicht freimaurerischen Ursprungs waren. Andererseits ist es sicherlich schwierig, die freimaurerischen Bez\u00fcge zu trennen. Das Libretto f\u00fcr Osiris k\u00f6nnte jedoch die Inspiration f\u00fcr Mozarts Zauberfl\u00f6te (die 10 Jahre sp\u00e4ter uraufgef\u00fchrt wurde) gewesen sein, wenn auch keine entscheidende Quelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Klaus Pietschmann<\/strong> hingegen interpretiert die gesamte Handlung von Osiris &#8222;<em>&#8230; als konsequente, freimaurerische Lehre<\/em> [&#8230;], <em>deren voller Sinn sich nur dem Eingeweihten erschlie\u00dft<\/em>&#8222;. Seine Vermutung beruht auf Parallelen zwischen der Oper und freimaurerischen Ritualen, wobei &#8222;entlehnte&#8220; Bez\u00fcge zu freimaurerischer Musik nicht explizit erl\u00e4utert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Obwohl die Ideen und Grunds\u00e4tze der Freimaurerei kulturell und historisch in das Milieu der Geschichte des alt\u00e4gyptischen K\u00f6nigs Osiris passen, zeigen Einsch\u00e4tzungen voller Widerspr\u00fcche, dass es Grund gibt, Zweifel an der freimaurerischen Grundidee zu hegen, die das Werk durchdringen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Neben den Bez\u00fcgen zur Freimaurerei war Osiris unglaublich wichtig f\u00fcr die Entwicklung von Naumanns Opernschaffen in Bezug auf Form, Gesangsstil und Instrumentaltechnik. Die Ouvert\u00fcre ist mithin das erste Beispiel f\u00fcr eine Beeinflussung Naumanns durch die Oper im franz\u00f6sischen Stil. In \u00e4hnlicher Art und Weise komponierte er dann seine nachfolgenden Opern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Arie Se mai vedi il mio tesoro<\/strong> stammt aus der siebten Szene des ersten Aktes von der <strong>Oper<\/strong> <strong>Suleiman<\/strong>, komponiert f\u00fcr den Karneval von Venedig im Jahr 1773 nach dem Libretto eines unbekannten Autors.<br>\nDie Oper geh\u00f6rt in die Gattung der so genannten Opera seria, die Naumann w\u00e4hrend seines dritten Italienaufenthalts komponierte. Die Arie wurde nach ihrem Erfolg in Venedig im Druck ver\u00f6ffentlicht und wurde auch dank zahlreicher handschriftlicher Kopien weiter verbreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Sinfonia in D<\/strong> ist die Ouvert\u00fcre zu Naumanns <strong>Oper Amphion<\/strong> mit einem schwedischsprachigen Libretto, die am 26. Januar 1778 in Stockholm uraufgef\u00fchrt wurde. Ab Juli 1777 arbeitete Naumann n\u00e4mlich auf Veranlassung von K\u00f6nig Gustav III. in Schweden, um die Hofkapelle wieder aufzubauen und seine eigenen Werke aufzuf\u00fchren. Die Ouvert\u00fcre ist im Stil einer dreiteiligen neapolitanischen Opern Sinfonia geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das <strong>Offertorium Lauda Sion Salvatorem<\/strong> ist eines von 20 vom Protestanten Naumann komponierten katholischen Offertorien. Es wurde 1796 f\u00fcr die Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit in Dresden geschrieben und war eines der wenigen Werke der Kirchenmusik mit lateinischem Text, die der Komponist im Druck ver\u00f6ffentlichte. Auf der Grundlage dieser Druckausgabe finden sich mehr als zwei Dutzend Transkriptionen in verschiedenen deutschen, \u00f6sterreichischen und tschechischen Bibliotheken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: <strong>Dr. Korn\u00e9l Magvas<\/strong><\/p>\n<p><noscript><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-27098\" src=\"https:\/\/www.lvhf.cz\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Magvas-Foto-scaled-1.heic\" alt width=\"244\"><\/noscript><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-27098 lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" alt width=\"244\" data-src=\"https:\/\/www.lvhf.cz\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Magvas-Foto-scaled-1.heic\"><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kurf\u00fcrstlich-s\u00e4chsische Hofkapellmeister Johann Gottlieb Naumann (1741-1801) war nicht allein im Dresdner Kulturleben zum Ende des 18. Jahrhunderts eine wichtige Figur, er war schon zu Lebzeiten international angesehen, zuhause in Deutschland und auch im Ausland. Seine Geschichte klingt wie ein M\u00e4rchen: Der Sohn eines Kleinbauern ohne eigenes Land, geboren im heutigen Dresdner Vorort Blasewitz, verlie\u00df [&#46;&#46;&#46;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26795,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[111],"tags":[],"fotogalerie":[],"hudebni-video":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26793"}],"version-history":[{"count":46,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27282,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26793\/revisions\/27282"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26793"},{"taxonomy":"fotogalerie","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fotogalerie?post=26793"},{"taxonomy":"hudebni-video","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lvhf.cz\/de\/wp-json\/wp\/v2\/hudebni-video?post=26793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}