HOFREITSCHULE VALTICE (FELDSBERG)

Die Hauptresidenz der Fürsten in Valtice (Feldsberg) erlebte ihren größten Aufschwung im 17. und 18. Jahrhundert. Damals wurde das Schloss so ähnlich ausgebaut wie wir es heute kennen. Bereits unter Karl I. von Liechtenstein (1569–1627) und seinem Sohn Karl Eusebius (1611–1684) entstand unter der Aufsicht mehrerer italienischer Baumeister ein Komplex um drei Innenhöfe, der von einer Reihe von Wirtschaftsgebäuden umgeben waren. Quellen belegen, dass dieser Ort schon mindestens seit Beginn des 17. Jahrhunderts als Pferdestall genutzt wurde.

In der Publikation „Architekt und Erfinder“ über die Geschichte des Schlosses schreibt Gustav Wilhelm, dass Andrea und Jan Křtitel Erna im Jahr 1643 auf der Ebene vor dem Schlossgraben eine Reitbahn und die Gebäude um den ersten Vorhof gebaut haben. Die Quellen geben jedoch keine zufriedenstellende und eindeutige Antwort auf die Frage, ob das 85 Meter lange Bauwerk am selben Ort stand wie die heutige Reitschule. Wahrscheinlicher ist, dass es sich am linken Rand des heutigen westlichen Schlossvorhofs befand, das heißt an der Stelle des heutigen oberen Pferdeställe (wo sich das Infozentrum für Touristen befindet). Die Grundzüge des Wirtschaftshofes und seiner Gebäude stammen jedoch sicher bereits aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Der bereits erwähnte Karl Eusebius wird oft als Gründer der Pferdezucht der Liechtensteiner genannt. Allerdings knüpfte er wahrscheinlich an die Aktivitäten seines Vaters Karls I. an, der durch seine Hochzeit mit der Herrschaft Úsov (Mährisch Aussee) auch die Pferdezucht der Herren von Boskowitz erlangte. Aus der Zeit Karl Eusebius’ sind Aufzeichnungen von zahlreichen Beratungen über die Zucht, den Austausch und den Kauf von Pferden mit mehreren wichtigen Adelsfamilien erhalten. Im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstanden vor den Toren von Schloss Valtice die oberen Pferdeställe und die spanische Reitschule. Einer bauhistorischen Untersuchung zufolge war der Schlossvorhof (Wirtschaftshof) zwar schon früher abgegrenzt, seine bis heute existierende Form mit dem dreiachsigen Portal, den Pferdeställen und der Winterreithalle wurde jedoch erst nach der Ankunft von Fürst Anton Florian (1656–1712), eines Höflings Kaiser Karls VI., und seinem Architekten Anton Ospel errichtet.

Die in Längsrichtung überdachte Reitbahn hatte damals wahrscheinlich zwei Sattelkonstruktionen mit einem Einschnitt in der Mitte. Zu einer entscheidenden Veränderug an der Dachkonstruktion kam es im Jahr 1871, als der Dachaufsatz eine Art Mansardendach bildete, das genau so hoch war, dass sie der fürstlichen Residenz nicht die Aussicht auf Schloss Mikulov (Nikolsburg) und das Gebiet Pálava raubte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Winterreithalle zum Trocknen von Tabak genutzt. In dem Gebäude wurde eine Trockenmaschine installiert, der Boden wurde betoniert und ein Heizraum eingebaut. Im Jahr 1970 begann die schrittweise Erneuerung der Räume, die jedoch aus Sicht der Denkmalschützer in vielerleich Hinsicht problematisch verlief. Ziel der kürzlich abgeschlossenen Rekonstruktion der Reitschule war grundsätzlich, dass sie wieder so aussieht wie im 18. Jahrhundert. Nach einer archäologischen Untersuchung wurde außerdem eine komplette Rekonstruktion des Fußbodens vorgenommen. Auf Grundlage erhaltener Fragmente wurde der Holzdielenbelag auf einem Balkengerüst erneuert. Das Gebäude erfüllt alle nötigen technischen Ansprüche in Sachen Komfort und Sicherheit der Besucher. Der Saal der Reitschule ist knapp 120 Quadratmeter groß und bietet entsprechend Platz für 800 Gäste. Die Räume sind vollkommen barrierefrei.

12. 10. 2019 / Sa / 19:00
8. FESTIVALKONZERT | ABSCHLUSSKONZERT

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