RITTERSAAL SCHLOSS LEDNICE (EISGRUB)

Das Adelsgeschlecht von Liechtenstein hörte nicht auf, bauliche Veränderungen am Schloss vorzunehmen. Es veränderte seine Gestalt im Einklang mit den dominierenden Statuenaufbauten und erweiterte sich. Nach dem Barock meldete sich der Klassizismus zu Wort, auf ihn folgte der Empirismus und zur heutigen Schönheit wuchs das Schloss Mitte des 19. Jahrhunderts durch Imitation des englischen spätgotischen Tudorstils. Der Architekt war Georg Wingelmüller.

Teil des ersten Besucherbereichs ist die Eingangshalle. Sie geht über zwei Schlossetagen und wird von einer aufwendig geschnitzten Kassettendecke abgeschlossen, von welcher ein monumentaler Messingleuchter mit 116 Armen und einer Masse von 690kg hängt. An der hölzernen Verkleidung des freistehenden Treppenhauses war einst die Ahnengalerie ausgehangen. Von ursprünglich elf Porträts der Vorfahren des Geschlechts von Liechtenstein aus dem 14.-16. Jahrhundert, hängen heute nur drei – die Portäts von Emanuel, Gundaker und Philipp Erasmus. Die restlichen Bilder der Fürstensammlung wurden Ende des zweiten Weltkrieges im Rahmen Rettung von Kunstgegenständen nach Vaduz, der Hauptstadt des Fürstentums, gebracht. Zur Erinnerung an den militärischen Ruhm, erlangt unter der Führung des Fürsten und Marschalls Jan I. Josefs, Feldherr und Diplomat aus der Zeit der napoleonischen Kriege, wurden im Vorraum zwei Flaggen des Husarenregiments aus dem Jahr 1801 angebracht. Die Flaggen mit authentischen Stangen und Riemen tragen die Aufschrift „Pro rege et patria“ („Für König und Vaterland“).

Der benachbarte Rittersaal erweckt den Eindruck eines Burgsaals, vor allem dank des Netzgewölbes, welches die englische Burgarchitektur nachahmt. Die Verzierungen der Abschlusssteine und Sockel sind genau wie die Gewölberippen nicht aus Stein, sondern aus Kalkpulver geformt. Auf den Konsolen entlang der Wände sind Ritterrüstungen ausgestellt. Die Altertümlichkeit wird von der hölzernen und mit gotischen Ornamenten verzierten Wandverkleidung unterstrichen, sowie durch eine Kollektion flandrischer Leuchter. Eine in mehrfarbiges Gold gefasste Truhe ist nur eine romantische Kopie des ursprünglich mittelalterlichen Originals. Eine weitere Truhe, ein Original vom Anfang des 16. Jahrhunderts, ist mit Sternbildern und Kupferapplikationen verziert. Sie stammt aus Katalonien und es finden sich auf ihr maurische Verzierungselemente. Maurische Fresken befinden sich übrigens auch auf dem Minarett, dessen schlanker Turm am nördlichen Ende des ausgedehnten Schlossparks, auch Europagarten genannt, emporwächst. Dieses einmalige Bauwerk erblickt man vom Rittersaal aus in seiner unübersehbaren dominanten Schönheit.

Das Erdgeschoss des Schlosses war zu repräsentativen Zwecken gedacht, da es eine direkte Verbindung zum Schlosspark bot. Auch aus diesem Grund fanden genau hier mannigfache gesellschaftliche Veranstaltungen statt, damit sich die Besucher bei einem Parkspaziergang erfrischen konnten. Die anspruchsvollen gotischen Verzierungen über dem Nordflügel, mit einer Durchfahrt für Kutschen unter dem Balkon, erinnern an den Ritterruhm des Geschlechts  Liechtenstein.

3. 10. / Mi / 19:00
3. FESTIVALKONZERT | MUSIK FÜR ZWEI FAGOTTE

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